Ehe für niemanden!

Auf Mastodon schrieb @distelfliege neulich: „ehe für niemanden!! [black flag]“ Das passt ganz gut zu Gedanken, die ich mir in letzter Zeit gemacht habe.

Einerseits habe ich immer mal wieder das Problem, dass ich gerne mehr als zwei verbindlich, privat und persönlich sorgende Menschen für Kinder hätte. Wie eng oder nah, rein formal und juristisch, die Sorge ausgestaltet wird, weiß ich noch nicht genau. Und welche Beziehung die Sorgenden untereinander haben, weiß ich auch noch nicht. Vielleicht gibt und gab es sowas schon in Großfamilien, Kommunen, Patchworkfamilien etc.?

Was ist denn Ehe und was macht Ehe aus? Gäbe es keine Ehe, könnte man z.B. das Thema, wer welchen Zugang zu Reproduktionsmedizin und Adoption hat, ganz anders angehen und Alleinerziehende oder uneheliche Kinder hätten vielleicht auch weniger Probleme? Auf der anderen Seite sehe ich inzwischen, dass Eltern auch ein wichtiger Schutz für Kinder gegenüber übermäßigen/falschen/ungesetzlichen/schädlichen Zugriffen anderer, z.B. des Staates, Normierungs- und Wirtschaftsinteressen, sind. Es ist aus meiner Sicht also wichtig, den Kindern bis zu einer gewissen Reife diesen Schutz nicht wegzunehmen.

Dann die Sache mit dem Begehren: Vielleicht ist es für manche wichtig, dass mit der Ehe Menschen „vom Markt“ sind, damit mensch sich keinen Kopf darum machen muss, dass sie begehren könnten. Das ist natürlich eher die Theorie. Die Realität sah wohl für manche schon immer anders aus: Auch ehelich gebundene Menschen können begehren/begehrt werden. Die vermutlich häufigste „Sorge“, die ich zum Thema Nicht-Heterosexuelles-Begehren höre, ist „Ich habe nichts dagegen, solange sie_er mich in Ruhe lässt.“ Warum auch immer ein Mensch, nur weil sie_er theoretisch Menschen Deines Geschlechtes begehrt, ausgerechnet Dich begehren soll. Und Begehren an sich ist ja noch nicht schlimm, oder?

Ich persönlich glaube, dass man auch verbindlich polygam leben kann. Warum könnte Monogamie wichtig sein? Es geht vermutlich um leibliche Elternschaft. Und leibliche Elternschaft bleibt, glaube ich, auch wichtig: Wer sind meine Eltern, von wem habe ich (biologisch) was geerbt? Soziale Elternschaft natürlich auch. (Dass ich Probleme mit beruflicher „Elternschaft“ und deren Gleichsetzung mit nicht-beruflicher Elternschaft und verschiedenen Forderungen vieler professioneller Pflegestellen rund um die „Große Lösung SGB VIII“ habe, klang hier schon an: Es ist aber auch eine Zumutung, dass mit sowas auf Sie als Eltern zugegangen wird!) Vielleicht kommt die Ehe zwischen Frau[TM] und Mann[TM] genau aus der Konstruktion der Unmündigkeit der Frau und war als solche eine nicht nur selbstlose Sorge eines Mannes für eine Frau?

Ehe macht für mich also Sinn als Gemeinschaft, in der Sorge für Kinder getragen wird und vielleicht auch für vertretungs-, assistenz- oder betreuungsbedürftige etc. Nicht-Minderjährige? Insofern könnte für mich über eine Privilegierung solcher Sorge-Konstellationen nachgedacht werden. Aus der Perspektive der Umsorgten und der Sorgenden, unabhängig von deren Geschlecht, Anzahl und möglichen Begehrenskonstellationen untereinander?

Aber Ehe nur als Verbindung von Frau[TM] und Mann[TM] in sexuellem Begehren zu sehen und sie daher zu privilegieren – diese Ehe brauche ich nicht.

 

  1. Nachtrag: Das JuWiss-Blog beschäftigt sich übrigens auch zur Zeit viel mit dem Thema eben aus der juristischen Perspektive.  Da geht es vielleicht ein bisschen analog zu dem juristischen und sozialen versus biologischen Geschlecht eines Menschen um juristische und soziale versus biologische Verwandtschaftsverhältnisse.
    Hier wird auch darauf eingegangen, dass die „Ehe für‚alle‘“ (und analog z.B. die Adoption von Kindern) nämlich immernoch intersexuelle Menschen mit eingetragenem dritten, sprich: offenem, Geschlechtseintrag, ausdrücklich nicht einschließt. Wie hier an anderer Stelle schon angedeutet: Liebeszwang. Insofern finde ich den Schluss von Suhr/Valentiner zutreffend: „Die ‚Ehe für alle‘ ist lediglich ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung für ein zeitgemäßes Familienrecht.“
  2. Mir gefällt meine Formulierung „Zugang zu Adoption“ gar nicht, weil es doch um die adoptierte Person gehen muss. Vielleicht ist das auch noch ein Ansatzpunkt: Gut ist, was für die adoptierte Person gut ist.
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